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Kontaktadresse zum Verein Vitohaus zur Sonne

Pressemitteilung vom Donnerstag, 9. Dezember 1999

Vitodurania Winterthur - Seit 1892 ist das schon 1483 erwähnte Gasthaus "Zur Sonne" an der Marktgasse 13-15 das Stammlokal der Winterthurer Kantonsschulverbindung Vitodurania. Die "Sonne" war die erste eigene Liegenschaft des Konsumvereins Winterthur (heute Coop) und für die Eigentümer etwas Besonderes, weshalb Bemühungen der Vitodurania, das Haus zu kaufen, mehrfach scheiterten. Im Rahmen ihrer Expansionspolitik und strategischen Neuausrichtung hat sich nun Coop entschlossen, die "Sonne" zu verkaufen. Um sich diese einmaligen Chance nicht entgehen zu lassen, gründeten Alte Herren der Vitodurania am 17. Mai 1999 den Verein VITO-HAUS ZUR SONNE, der seit dem 1. Dezember 1999 Eigentümer der fast 1000 m2 grossen Liegenschaft ist. Zum Haus gehören ein Ladenlokal im Parterre, das Restaurant "zur Sonne" mit Terasse im ersten Stock und zwölf Büros und Wohnungen in anderen Geschossen. Damit ist für die Vitodurania der Traum des eigenen Verbindungshauses in Erfüllung gegangen.

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Landbote vom Donnerstag, 9.Dezember 1999

Coop hat sein ursprüngliches Winterthurer Stammhaus verkauft
«Vito» übernimmt die «Sonne»

Die Häuser Marktgasse 13/15 sind von Coop an den Verein «Vito-Haus zur Sonne» verkauft worden. Die Verbindung Vitodurania als neue Eigentümerin will das Restaurant Sonne im heutigen Stil weiterführen.

Autor: Massimo Diana

Für die Verbindung Vitodurania gehe ein jahrzehntelang gehegter Traum in Erfüllung, freute sich der Präsident des Vereins «Vito-Haus zur Sonne» Peter Hauser: «Als 1998 bekannt wurde, dass sich Coop von der Altstadtliegenschaft Marktgasse 13/15 trennen wolle, haben wir uns sofort überlegt, ob wir das Haus kaufen sollen.» Seit 1. Dezember ist die Handänderung im Grundbuch eingetragen. Einerseits seien es ideelle Gründe gewesen, die zum Entschluss geführt hätten, das Haus mit dem Restaurant Sonne zu kaufen: «Seit anno 1892 treffen sich die Vitoduranier in der Sonne», rief Hauser an der gestrigen Presseorientierung in Erinnerung. «Wir haben zudem garantiert, dass die Wirtschaft im heutigen Stil erhalten bleibt.» Anderseits wolle man mit dem eigenen Verbindungshaus den Zusammenhalt stärken. Wie viel der Kauf des markanten, 1483 erstmals erwähnten Hauses gekostet hat, wollte Hauser nicht preisgeben: «Gehen Sie davon aus, dass wir mehrere Millionen bezahlt haben», liess er sich immerhin entlocken. Der Kauf sei durch Spenden und Bankkredite finanziert worden. Erst im Zuge der Fusion zu Coop Ostschweiz habe sich Coop Winterthur entschlossen, seinen ersten Geschäftssitz von 1875 zu verkaufen, erklärte Hauser: «Früher befand sich vom Laden bis zur Verwaltung der gesamte Konsumverein Winterthur in diesem Haus. Deshalb war es für Coop jahrzehntelang unverkäuflich.»

Den Stil erhalten
Der Verein «Vito-Haus zur Sonne» sei Mitte Jahr gegründet worden. Es habe sich herausgestellt, dass eine Liegenschaft mit Gewerbe- und Wohnnutzung besser von einer selbstständigen Trägerschaft betrieben werde als von der Vitodurania selbst. Das Haus hat eine Grundfläche von rund 1000 Quadratmetern und beherbergt neben dem Restaurant Sonne und dem Kleidergeschäft «Speed» 12 Wohnungen und Büros. Die Mietverträge seien vollumfänglich von Coop übernommen worden. «Die Sonne soll so bleiben, wie sie ist, nämlich eine klassische Wirtschaft», versicherte Hauser. «Wir wollen dort weder ein Pub noch eine Schischi-Beiz.» Einen Wirtewechsel habe man deshalb nicht im Sinn und Verbesserungsmöglichkeiten sieht Hauser höchstens bei der Ausstattung des Saals und der Terrasse.

Brillen statt Kleider?
Einzig beim Mieter des 350 Quadratmeter grossen Ladenlokals im Erdgeschoss könnte es zu Änderungen kommen, erklärte Hauser umunwunden: «Der Mietvertrag kann per 31. Dezember 2000 gekündigt werden. Wir sähen gerne eine Nutzung, die ohne Kleiderständer oder dergleichen vor der Fassade auskommt», sagte Hauser. «Wir hätten auch nichts gegen einen Ableger von Fielmann-Brillen.» Wer schliesslich den Laden zugesprochen bekomme, entscheide aber der Markt.

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Tages-Anzeiger vom Donnerstag, 9. Dezember 1999

Herrenklub übernimmt älteste Beiz
Trendlokale sind den Vitoduranern ein Graus: Weil sie ihr Stammlokal so erhalten wollen, wie es immer war, hat die Winterthurer Schülerverbindung die "Sonne" gekauft.

Autor: Von Niels Walter

Die "Sonne" an der Winterthurer Marktgasse ist eines der traditionsreichsten Restaurants der Stadt und Vitodurania eine Vereinigung, die für Aussenstehende gar eigentümliche Bräuche und Rituale pflegt. Die Alt-Vitoduraner sind Herren, die sich in den Gymi-Jahren gerne öfters trafen und sich dem Leben nach der Devise "Litteris et Amicitiae" (den Wissenschaften und der Freundschaft) verschrieben haben. Diese Vito-Männer sind nun also Beizenbesitzer. Wie kam das?

Ein Haus fürs Volk
Die "Sonne" und die Vitoduraner verbindet vor allem eins: Tradition. Den Männerverbund gibt es seit 1863, und seine Rituale am Biertisch haben Existenzialismus, Hippiekultur und anderes Modezeugs überdauert: Bei den Vitoduranern sind Frauen "Besen" geblieben und eine Bierminute immer noch 36 Sekunden (siehe Kasten). Die "Sonne" ist nicht nur Winterthurs älteste Gaststätte, sie ist seit über 100 Jahren auch das Stammlokal der Vitoduraner, die immer wieder honorable Herren in ihren Reihen gehabt haben. Die Kaufleute und Mäzene Theodor Reinhart, Georg Volkart und Georg Reinhart, die Industriellen Edouard und Hans Sulzer sowie Benno Rieter, Nationalbankpräsident Gottlieb Bachmann, verschiedene Stadtpräsidenten, bekannte Künstler, Dichter und Sammler - die Liste der berühmten Vitoduraner ist lang. Namen von prominenten Mitgliedern, die noch am Leben sind, rückt niemand heraus.

Als die Vitoduraner Ende des letzten Jahrhunderts begannen, ihren kodierten Trinksitten regelmässig im Restaurant "Sonne" nachzuleben, gehörte die Gaststätte bereits dem Konsumverein, dessen Präsident Salomon Bleuler war. Ihm lag die allgemeine Verbilligung der Lebenshaltungskosten am Herzen. In der "Sonne" gab es neben der Speiseanstalt auch die Konsummetzgerei und -bäckerei, eine Volksbibliothek, Kaffeerösterei, Molkerei und einen Fischmarkt. Später wurde aus dem Konsumverein der Coop. Bei Coop wurde das Haus in der Altstadt stets "unsere Sonne" genannt. Das hätten jedoch auch die Vitoduraner gerne von ihrem Stammlokal gesagt.

Weiterhin Schweizer Küche
Die ehemaligen Gymi-Schüler, die inzwischen Ökonomen, Anwälte und Vorsitzende sind, wollten die "Sonne" mehrmals kaufen. "Doch Coop hielt immer an seiner «Sonne» fest", sagte Rechtsanwalt und Alt-Vitoduraner Peter Hauser gestern vor den Medien. Hauser ist einer von über 300 Vitoduranern: Im schweizerischen Leben heisst er Hauser und ist Dr. iur., und im vitoduranischen Leben heisst er Star und ist mit 53 Jahren ein alter Hase. Neu ist er auch noch Präsident des kürzlich gegründeten Vereins Vito-Haus zur Sonne. Dieser Verein hat laut Hauser "mehrere Millionen Franken" hingeblättert, als in der neuen Coop-Strategie die "Sonne" plötzlich keinen Platz mehr hatte. Star, Knopp, Boy und wie sie alle heissen, konnten endlich erstehen, was sie schon lange wollten - seit dem 1. Dezember gehört die "Sonne" ihnen. "Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagte Hauser. Und garantierte gleich vorweg: "Die «Sonne» bleibt, wie sie ist." In-Beizen und Restaurants mit ständig wechselnden Konzepten gäbe es genug. In der "Sonne" gibts weiterhin die Schweizer Spezialitäten von Maria und Urs Benz. Die 20 verschiedenen Rösti bleiben auf der Karte.

Bitte keine Verschandelung!
An der Altstadt-Liegenschaft mit rund 1000 Quadratmeter Grundfläche wollen die neuen Besitzer vorerst nichts verändern. Die 12 Wohnungen und Büroräume bleiben, der über 350 Quadtratmeter grosse Kleiderladen im Erdgeschoss vorerst auch. "Da schwebt uns jedoch ein Ladenlokal vor, das nicht so viele Kleiderständer auf die Marktgasse stellt und das Äussere der «Sonne» derart verschandelt", sagte Hauser.

Das Restaurant mit Saal und Hinterhofterrasse wird laut Hauser weiterhin für alle offen bleiben. Das Interieur werde "leicht angepasst". So, dass die Gäste in Zukunft sehen, dass sie in einem Haus der Vitoduraner sitzen. Rustikaler und einfacher solls werden. Bemalte Porzellantellerchen wie sie zurzeit noch im Saal hängen, sind für Vitoduraner "Schischi". Auch die Holz-Glas-Vitrine einer Guggenmusik muss weg. Was sicher bleibt, ist der Stammtisch und der Thron für den obersten Vitoduraner.